Das Ehrenamt rettet die Rutsche

07.08.2026 | Ehrenamt rockt, News

Weinheimer Kolpingfamilie installierte die Kerwerutsche an der Höllenstaffel –Heiner Bernhard rutschte zuerst.

Ihm gebührte die Ehre des ersten Rutschs, da waren sich alle einig: Heiner Bernhard, Ex-OB Weinheims, sportlich und gut trainiert, flitzte am Donnerstagmorgen geschwind auf der gerade erst aufgebauten Kerwerutsche über die Höllenstaffel hinunter ins Gerberbachviertel. Dann folgte gleich sein Nach-Nachfolger Michael Möslang auf demselben Weg. „In der Mitte Körperspannung halten, sonst wird es unsanft.“ Diesen Profi-Tipp hatte der rutscherprobte Bernhard dem neuen OB zugerufen – und er beherzigte es.

Die Kerwerutsche steht. Jetzt erst Recht, nachdem es im Rathaus im Frühjahr die Idee gegeben hatte, sie einzusparen. „Das geht gar nicht“, entrüsteten sich damals Vertreter Weinheimer Vereine rund um den Heimat- und Kerweverein Alt Weinheim, Kolpingsfamilie und „Hockey Weinheim“. Heiner Bernhard, der schon vor fast 20 Jahren über ein Sponsoring die Rutsche nach einem historischen Vorbild wieder entstehen ließ, setzte sich an die Spitze der Bewegung – und sammelte Spenden zum Erhalt der Rutsche, an der so viele Herzen hängen.

Der Heimat- und Kerweverein Alt-Weinheim brachte sich als Schirmherr der Kerwerutsche ein, organisierte die finanzielle Abwicklung der Spenden und entwickelte ein neues kostengünstigeres Betreuungskonzept für die Kerwetage. Unverändert wird die Kerwerutsche von der Hockeyabteilung TSG/AC Weinheim tagsüber und in den Abendstunden betreut.

Als neuer Unterstützer konnte die Kolpingsfamilie Weinheim für den Auf- und Abbau der Rutsche gewonnen werden. Also war es am frühen Donnerstagmorgen soweit. Da die Kolpingsfamilie mit Benedikt Wolf einen patenten Weinheimer Bauunternehmer in den eigenen Reihen und etliche fleißige Helfer hat, wurde die Kerwerutsche mit Hilfe des Bauhofs ruckzuck aufgebaut und ausprobiert. Auch Kerwevereins-Vorsitzender Martin Schmitt überzeugte sich vom Gelingen dieses Gemeinschaftsprojektes, ebenso natürlich der neue OB Michael Möslang, der sich bei den Beteiligten für die „gelungene Rutschenrettung“ und das große Engagement bedankte. Genau so, erklärte Möslang, stelle er sich die „Kultur des Möglichmachens“ vor. Er könne jetzt auch gut verstehen, warum so viele Emotionen an dieser Rutsche hängen. Spontan dachte er laut nach: „Man könnte sie vielleicht noch verlängern.“

Nachts wird die Kerwerutsche nun gegen unbefugte Benutzung durch mechanische Sperren gesichert. Das ermöglicht es dem Kerweverein, mit den eingesammelten Spenden die Rutsche nicht nur in 2026, sondern auch 2027 und 2028 zu betreiben. Nach der Kerwe zieht die Rutsche wieder zurück auf das Gelände des Bauhofs, wo sie von der Stadt als Eigentümerin verwahrt wird. 

„Es geht nicht nur um ein weiteres Fahrgeschäft, sondern um die Kerwe als Ganzes. Und das Gerberbachviertel ist das Herzstück der Weinheimer Kerwe und die Kerwerutsche führt nicht nur symbolisch mitten hinein in das Gerberbachviertel“, so Martin Schmitt, der erläutert:. „Wir sind auf eine erfolgreiche Kerwe angewiesen, ansonsten können wir unser Kerwehaus und die gegenüberliegende Kerwescheuer, beide unter Denkmalschutz, nicht unterhalten. Deshalb ist es uns zusammen mit den anderen Straußwirtschaften ein Anliegen, alles Erdenkliche zu tun, um Besuchern stimmungsvolle Stunden in unserem Gerbachviertel zu bieten.“

(Pressemitteilung der Stadt Weinheim, 06. August 2026 – geändert)

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